Historischer Werdegang

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Begleiten Sie uns durch Friedrichshagen.

Sie reisen mit der Berliner S-Bahn an. Eine unschöne, langweilige, gelbe Bahn. An Ihnen huschen typische Großstadtbilder vorbei. Industrielager, Müllberge, Wohnblöcke an Wohnblöcke. Doch dann passiert etwas. Bäume mischen sich in das unschöne Bild, dass Berlin Ihnen bisweilen geboten hat. Immer mehr Grün umschließt Ihre Fahrt in das gefühlt weit entfernte Friedrichshagen. Sie beginnen Ruhe zu genießen, kaum mehr das Gefühl von der Großstadt zerquetscht zu werden. Und dann ertönt die Ansage, dass Ihre Station gekommen ist. Sie steigen aus der modernen Bahn und gehen rechts hinunter zu den Ausgängen. Keine Wohnblöcke mehr, keine Touristengruppen, keine überfüllten Geschäfte. Stattdessen kleine Läden – Bäckereien, Floristen, ein niedliches kleines Kino. Menschen flanieren auf den Straßen, es wird sich fröhlich unterhalten. Ja, Sie können die Geschichte spüren in Berlin-Friedrichshagen, welches noch immer stolz bestaunt wird von seinem Namensgeber Friedrich II.

Aussicht Man erkennt es kaum mehr, das ehemalige Kolonistendorf. Zeit ist vergangen seit dem 29. Mai 1753. Damals war unser schönes Stadtteil bekannt für seine Maulbeerbäume, welche die Nahrungsgrundlage für die Seidenraupen waren, welche den Baumwollspinnereien als Nutzwerk dienten. Damals, in jenem weit entfernten, uns unbekannten Jahrhundert säumten Industriehallen die Straßen des heutigen Kurortes. Man arbeitete an feinsten Stoffen, Teppichen, Tüchern, Kleidern. Noch heute spenden die gewaltigen Maulbeerbäume Schatten, während man die verträumten Straßen entlang schlendert oder an den Aussichtsplattformen auf den Müggelsee herabschaut.
Seit Jahrzehnten ist der große Müggelsee ein beliebtes Ziel für Angler, Segler, Wassersportler und jene, welche sich sonnen und abkühlen mögen. Mit dem Jahr 1849 legte man den Grundstein, welcher aus dem Kolonistendorf ein Touristenmagnet formte. Damals eröffnete die Niederschlesisch-Märkische Eisenbahn die Haltestelle Friedrichshagen. Züge in Richtung Frankfurt (Oder) passierten, hielten nun erstmals hier an und ermöglichten so, die einfachere Reise in den Urlaub um die Ecke.

Durch den nun erhöhten Touristenandrang entwickelte sich Friedrichshagen im 19. Jahrhundert mehr und mehr zu einem beliebten Villenvorort, was gehobenere Bevölkerungsschichten anlockte, sich hier niederzulassen.

Im Jahr 1880 erhielt Friedrichhagen seinen Titel, der noch heute anhält. „Klimatischer Luftkurort“ heißt es seitdem. Mit diesem Titel wurde der Kurort mehr gefördert, was dazu führte das sich zwei Badestellen, der beliebte Kurpark, Biergärten, Cafés und Hotels entwickelten.

Doch nicht nur gutbetuchte, sonnenhungrige und Touristen wurden von Friedrichshagen angelockt, auch Künstler lassen sich seither gern in unserem Stadtteil nieder. So auch der Berliner Bildgießer Hermann Gladeneck, welcher seine Gießerei 1887 in Friedrichshagen niederließ um in seinem Lieblings-Stadtteil seiner Leidenschaft zu frönen. So schmücken viele seiner, bis 1926 entstandenen Standbilder und Denkmäler, die Optik des Kurortes. Geschwister_TheoBalden1974
Ebenfalls einen Besuch wert ist das Wasserwerk von Friedrichshagen. Seit 1888 ist es in Betrieb und säubert noch immer das Trinkwasser Berlins. Am Ufer des Müggelsees befindet sich seit 1987 das Wasserwerkmuseum. Der gesamte Komplex steht unter Denkmalschutz und gehört den Berliner Wasserbetrieben. Eindrucksvolle Messingrohre, gigantische Pumpwerke, bis zu drei Meter hohe Decken und Rundbögen machen die Backsteingebäude zu einem historischen Blickfang, welcher Jung und Alt zu gleichen Teilen fasziniert
HausmitFiguren Neben den architektonisch, schön anzusehenden Straßenbildern mit reich verzierten Häusergiebeln, Eingängen und Dachsimsen lockt Friedrichshagen seit 1890 Freunde der geschriebenen Kunst an. Der Dichterkreis lädt zu Diskussionen, Vorlesungen, gemeinsamem Schreiben, Zeichnen, Malen und Austauschen ein. Auch Freunde der Wissenschaft mischen sich mehr und mehr unter die Freidenker und Dichter.
“Hinter der Weltstadt“ wurde der Dichterkreis einst getauft und die Namen seiner einstigen Mitglieder sind so imposant, wie ihre Werke selbst. Gerhart Hauptmann, Bruno Wilde, Wilhelm Bölsche, Julius Hart, Peter Hille und Erich Mühsam sind nur einige der großen Denker und Liebhaber der geschriebenen Kunst, welche den Dichterkreis einst zum Leben erweckten. Noch heute wächst er und erfreut sich an der stetig wachsenden Zahl seiner Mitglieder, Interessenten und Zuhörer.
Und so schlendern Sie nun durch Friedrichshagen, sind erstaunt an all seinen Schönheiten, Geschichten und Erlebnissen und vielleicht stehen Sie auf dem Marktplatz, an der Seite Friedrich II. welcher mit Stolz auf sein Friedrichshagen schaut. In dessen Mitte platziert, steht die prachtvolle Christopheruskirche. Ein Gebäude, welches nicht selbstverständlich ist. Denn einst, hatte der Kurort nicht einmal mehr ein solches Gebäude. Die Kirche ähnelte einer Scheune, ohne Glockenturm, ohne Platz für die Anwohner. Und nun erwartet das prachtvolle Gebäude, mit der romanisch-gotischen Optik seine Besucher. Es ist ein Replikat. Die eigentliche Kirche, welche man, als Friedrichshagen wuchs erbaute wurde bei einem Sturm zerstört, so hat man die Christopheruskirche gegenüber des Kaisers erbaut, welcher seither auf sie schaut und mit ihr die vielen Geschichten Friedrichshagens erzählt. FritzeUHR